Klinische Referenz · Hämatologie

Eisenstoffwechsel & Anämie-Differenzierung

Systemische Hepcidin-Regulation, diagnostische Marker und die Abgrenzung von Eisenmangelanämie, funktionellem Eisenmangel und Anämie chronischer Erkrankungen (ACD).

KernquellenOnkopedia/DGHO-Leitlinie Eisenmangel (Hastka/Metzgeroth/Gattermann, Stand April 2025) · Thomas L., MMW Sonderheft 3/2024
BezugHämatologie_Anämie.txt · Polycythaemia-vera-Referenz
StandAugust 2026
01 Grundlagen 02 Regulation 03 Molekulare Resorption 04 Eisenkreislauf 05 Ursachen 06 Stadien 07 Diagnostik-Marker 08 EMA vs. ACD 09 Therapie & Monitoring 10 Klinischer Kontext
01

Grundlagen

Eisen ist essenziell für den reversiblen Sauerstofftransport im Hämoglobin, für Myoglobin sowie für nicht-häm-gebundenes Eisen in mitochondrialen Redoxenzymen und der DNS-Synthese.

Beim Eisenstoffwechsel wird die systemische von der zellulären Regulation unterschieden. Systemische Störungen lassen sich gut laborchemisch diagnostizieren und therapeutisch kontrollieren – für den zellulären Eisenstoffwechsel fehlen bislang Routineuntersuchungen.

Funktionseisen

An Transferrin gebundenes, zirkulierendes Eisen – unmittelbar verfügbar für Erythropoese, Myoglobinsynthese und mitochondriale Enzyme.

Speichereisen

Als Ferritin in Hepatozyten und Makrophagen des RES gespeichert. Serumferritin (1 µg/l ≈ 8–10 mg Speichereisen) ist der Indikator – außer bei Entzündung.

02

Systemische Regulation: die Hepcidin-Achse

Die Leber misst die verfügbare Eisenkonzentration im Blut. Bei niedrigem Wert wird die Bildung von Hepcidin unterdrückt – dem zentralen Hormon der Eisenhomöostase.

Regulationskreislauf bei Eisenmangel / Anämie
Trigger
Anämie / EPO-Mangel
Hypoxiefaktor 1 (HIF-1) wird aktiviert
Knochenmark
↑ Erythroferron
Proliferierende Erythropoese sezerniert Erythroferron
Leber
↓ Hepcidin
Erythroferron hemmt die Hepcidinsynthese
Ergebnis
↑ Serumeisen
Mehr Absorption + Freisetzung aus RES/Hepatozyten für die Hb-Synthese
Umgekehrt: hohes Hepcidin (z. B. bei ACD/Entzündung) blockiert Darmabsorption und Eisenfreisetzung aus Speichern → funktioneller Eisenmangel trotz normaler/erhöhter Speicher.
Merke

Niedriges Hepcidin → mehr verfügbares Eisen und gesteigerte Erythropoese-Proliferation. Erhöhtes Hepcidin (ACD) → reduziertes Funktionseisen und gebremste Erythropoese – unabhängig vom Füllstand der Speicher.

Hepcidin-Feedback bei Eisenüberladung

Umgekehrt steigert eine Eisenüberladung unter verstärktem Einfluss von HFE, TfR2 und Hämojuvelin die Hepcidinproduktion in den Hepatozyten – mit konsekutiver Hemmung der enteralen Eisenresorption. Erkrankungen mit ineffektiver Erythropoese (β-Thalassämie, MDS) führen paradoxerweise über eine exzessive Erythroferron-Produktion zu supprimiertem Hepcidin, gesteigerter Eisenresorption und sekundärer Eisenüberladung – trotz vorhandener Anämie.

ERFE-Überschuss (β-Thalassämie, MDS)

Ineffektive Erythropoese → exzessive Erythroferron-Bildung → Hepcidin-Suppression → Eisenüberladung trotz Anämie.

ERFE-Mangel (ACD, chron. Niereninsuffizienz)

Reduzierte Erythropoese (niedriges/inadäquates EPO) → erniedrigtes ERFE → hohes Hepcidin → funktioneller Eisenmangel.

03

Molekulare Resorption & zelluläre Regulation

Die Aufnahme von Nahrungseisen im Duodenum ist kein passiver Diffusionsprozess, sondern erfolgt über ein präzise reguliertes Transportsystem aus mehreren spezifischen Proteinen.

Transportkette im Enterozyten

DCYTB
reduziert luminales Fe³⁺ zu Fe²⁺
DMT-1
apikaler Transport von Fe²⁺ in den Enterozyten (pH-abhängig)
Ferroportin 1
basale Ausschleusung ins Portalblut – Zielprotein von Hepcidin
Hephästin
kupferhaltige Ferroxidase, oxidiert Fe²⁺ zu Fe³⁺ für Transferrinbindung

Parallel wird Hämeisen (40–90 % des Fleischeisens) über den Rezeptor HCP1 (Heme carrier protein 1) aufgenommen und intrazellulär durch eine Hämoxygenase aus dem Porphyrinring gelöst, gebunden an das Transportprotein Mobilferrin. Die Hämeisen-Resorption (15–35 %) ist deutlich effektiver als der anorganische Weg (5–10 %, bei Eisenmangel bis 20–30 %) und wird durch andere Nahrungsbestandteile kaum beeinflusst.

Hepcidin als Zielprotein-Regulator

Hepcidin wirkt nicht durch Enzymhemmung, sondern durch Internalisierung und Degradation von Ferroportin 1 – der einzige bekannte zelluläre Eisenexporter. Zusätzlich wird die Expression von DMT-1, DCYTB, Hephästin und HCP1 transkriptionell mitreguliert.

Intrazelluläre Feinregulation: IRP/IRE-System

Jede Zelle steuert ihren Eisenhaushalt zusätzlich über zytoplasmatische Iron Regulatory Proteins (IRP-1, IRP-2), die an spezifische RNA-Strukturen binden – die Iron Responsive Elements (IRE) in der untranslatierten Region der mRNA von Ferritin, DMT-1, TfR1, Transferrin und Aminolävulinsäuresynthetase (Schlüsselenzym der Hämbiosynthese). Die IRE/IRP-Bindungsaffinität wird durch intrazellulären Eisenbedarf, Radikale und Hypoxie moduliert – so werden Eisenaufnahme, -speicherung und -verbrauch translational feinabgestimmt.

Genetische Störung

IRIDA (Iron Refractory Iron Deficiency Anemia): autosomal-rezessive Keimbahnmutation in TMPRSS6 (Matriptase-2). Funktionsverlust → chronisch erhöhtes Hepcidin → Resorptionsblock. Patient:innen sind refraktär gegenüber oraler Substitution, sprechen aber auf intravenöse Eisengabe an.

04

Der Eisenkreislauf

Täglich werden durch die Erythrozyten-Mauserung 30–40 mg Eisen freigesetzt und wiederverwertet. Der enterale Verlust von 1–2 mg/Tag wird durch Absorption im Dünndarm kompensiert – abhängig vom Eisenbedarf, gesteigert bei akuter Hypoxie und in der Schwangerschaft.

Bezug zur Blutung: 1 g Hb enthält 3,46 mg Eisen; pro ml Blutverlust (Hb 15 g/dl) gehen 0,5 mg Eisen verloren. Physiologischer Bedarf: Männer ~1 mg/Tag, prämenopausale Frauen 1,3–1,5 mg/Tag, Mehrfachblutspender 4–5 mg/Tag.

3–5 g
Körpereisen gesamt
~3 g
Hämoglobineisen
500–1000 mg
Speichereisen (Mann)
200–400 mg
Speichereisen (prämenopausal)
10–20 mg
Nahrungseisen / Tag
5–10 %
Resorptionsquote (normal)

Bei Eisenmangel kann die Resorptionsquote auf 20–30 % ansteigen – der größte Teil des Nahrungseisens bleibt dennoch ungenutzt und wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Der Körper hat keine aktive Ausscheidungsmöglichkeit für Eisen; die Bilanz wird ausschließlich über die Aufnahme reguliert.

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Ursachen des Eisenmangels

Ein Eisenmangel entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Aufnahme und Bedarf – ganz überwiegend durch vermehrten Verlust, seltener durch Resorptionsstörungen.

KategorieBeispiele
Verlust durch BlutungGI-Blutungen (Ulcera, Polypen, Karzinome, Angiodysplasien, M. Osler), Menstruation, Blutspende, Dialyse, pulmonale Hämosiderose
Erhöhter BedarfSchwangerschaft/Stillzeit, Wachstum, Hochleistungssport, chronische intravasale Hämolyse
Verminderte AufnahmeInadäquate Ernährung, atrophische Gastritis/Achlorhydrie, Magenresektion, bariatrische OP, Zöliakie, M. Whipple, chron.-entzündliche Darmerkrankungen

Klinisch relevante Eckwerte

Bei Nachweis eines Eisenmangels müssen primär maligne und chronisch-entzündliche GI-Erkrankungen ausgeschlossen werden. Auch orale Antikoagulanzien, ASS und NSAR können bei sonst Gesunden über chronische GI-Blutungen einen Eisenmangel verursachen.

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Stadien der mangelnden Eisenversorgung

Der Eisenmangel entwickelt sich stufenweise – von der reinen Speicherverarmung bis zur manifesten Anämie.

Stadium 1
Speichereisenmangel
  • Ferritin ↓
  • TfS normal
  • sTfR, ZPP, CHr normal
  • Keine Anämie
Stadium 2
Eisendefizitäre Erythropoese (funktionell)
  • Ferritin ↓
  • TfS ↓
  • sTfR, ZPP ↑, CHr ↓
  • Noch keine Anämie
Stadium 3
Eisenmangelanämie
  • Ferritin ↓↓
  • TfS ↓↓
  • sTfR, ZPP ↑, CHr ↓
  • Mikrozytär-hypochrome Anämie
07

Diagnostik-Marker im Überblick

„Den besten Eisenparameter" gibt es nicht – jeder Test hat spezifische Stärken und Grenzen. Erst die gezielte Kombination erlaubt eine verlässliche Stadieneinteilung.

Basisparameter

ParameterWas er zeigtLimitation
Blutbild (MCV/MCH)Hypochrom (MCH <28 pg), mikrozytär (MCV <80 fl) bei EMASpäte Veränderung – tritt erst nach Stadium II auf
SerumeisenZirkadianer Rhythmus, bei ACD ebenfalls erniedrigt → für Diagnostik obsolet
FerritinSpeichereisen (1 µg/l ≈ 10 mg); sensitivster Marker, erfasst bereits Stadium IAkute-Phase-Protein – bei Entzündung, Malignom, Lebererkrankung falsch hoch; bei Neoplasien meist unbrauchbar
Transferrinsättigung (TfS)Funktionseisen; Norm 16–45 %, EMA-Grenzwert ≤15 %Zirkadiane Schwankung; bei Entzündung trotz normaler Speicher erniedrigt
%HYPOAnteil hypochromer Erys (<28 pg); Norm <2,5 %, >10 % beweisend für Stadium IIBester Parameter bei Dialysepat. unter ESA; Messung binnen 6 h nötig
CHr / Ret-HeRetikulozyten-Hb; Schwellenwert 26 pg (Sens. 100 %, Spez. 80 %); Anstieg 48 h nach i.v.-EisenUnterscheidet nicht absolut/funktionell
Knochenmark (Berliner-Blau)Goldstandard; Sideroblasten 15–50 % normal, <15 % = Stadium IINur in Ausnahmefällen durchgeführt

Erweiterte Marker (funktioneller Eisenmangel / ACD)

ParameterWas er zeigtLimitation
sTfR↑ bei eisendefizitärer Erythropoese und gesteigerter Erythropoese (Hämolyse, PV); bei reinem Speichermangel noch normalTestabhängige Referenzwerte (Kalibrator-abhängig)
TfR-F-Index (= Ferritinindex)sTfR / log₁₀ Ferritin – Schlüsselparameter der „Thomas-Tafel"; steigt mit Speicher- und Erythropoese-EisenmangelReferenzwert testabhängig; bei ACD erniedrigt (Grenzwert CRP-abhängig: 3,8 bzw. 2,0 bei CRP >5 mg/l, Tinaquant®-Assay)
ZPPEinziger Marker, der ausschließlich von der Eisenversorgung der Erythropoese abhängt; Norm ≤40 µmol/mol Häm – erfasst Stadium II/III und ACD/MDS/Bleivergiftung als Screening des gesamten EisenstoffwechselsErfasst reinen Speichereisenmangel (Stadium I) nicht; uneinheitliche Meßeinheiten je Labor
HepcidinTrennt absoluten (↓Hepcidin) von funktionellem Eisenmangel/ACD (↑Hepcidin)Messung noch nicht standardisiert (ELISA vs. Massenspektrometrie)
Eisenresorptionstest4 mg/kg Fe²⁺ oral nüchtern → Serumeisen-Anstieg >100 µg/dl spricht für erfolgreiche orale SubstitutionNicht zur Ursachenabklärung geeignet (Crawley-Test, 1952)

Referenzwerte im Überblick

ParameterNormwert
Sideroblasten (KM)15–50 %
MCV80–96 fl
MCH28–33 pg
Hypochrome Erythrozyten<2,5 %
CHr / Ret-He≥28 pg
Ferritin (WHO)Frauen 15–150 µg/l · Männer 30–400 µg/l
Transferrinsättigung16–45 %
ZPP≤40 µmol/mol Häm

Zunehmender Konsens: geschlechtsunabhängiger unterer Ferritin-Grenzwert von <30 µg/l (statt der traditionellen 15 µg/l), insbesondere um Unterdiagnostik bei Frauen zu vermeiden. Bei Kinderwunsch wird ein Ferritin >50 µg/l angestrebt.

Empfohlener Diagnostik-Algorithmus

Als Erstlinien-Parameter gilt Ferritin – kombiniert mit MCV und CRP lässt sich ein Eisenmangel als Anämie-Ursache meist hinreichend sicher diagnostizieren. Bei hämatologischen/onkologischen Patient:innen sollte ergänzend immer ein „Stadium-II-Parameter" (sTfR, ZPP, %HYPO, CHr oder TfS) bestimmt werden, da diese auch bei Entzündung/Malignom funktionieren.

FerritinStadium-II-TestHämoglobin
Keine StörungNormalNormalNormal
Speichereisenmangel (I)NormalNormal
Eisendefizitäre Erythropoese (II)PathologischNormal
Eisenmangelanämie (III)Pathologisch

Stadium-II-Tests: Transferrinsättigung, %HYPO, CHr, sTfR, ZPP

08

Eisenmangelanämie vs. ACD

Der Hauptunterschied: Bei der Eisenmangelanämie liegt ein absoluter Eisenmangel vor (Serumferritin meist <50 µg/l). Bei der ACD ist genug Eisen im Körper vorhanden, steht aber durch den hepcidinbedingten Block nicht für die Erythropoese zur Verfügung – Serumferritin ist normal bis erhöht.

ParameterEisenmangelanämieACDEisenmangel + ACD
FerritinErniedrigtNormal – erhöhtErniedrigt – normal
TfSErniedrigtErniedrigtErniedrigt
sTfRErhöhtNormalAnsteigend
FerritinindexHoch (>2)Niedrig (<1)Hoch (>2)
ZPPErhöhtErhöhtErhöht

Praktisch wegweisend: ZPP + sTfR

Klassische Parameter (Serumeisen, TfS) helfen bei der Abgrenzung kaum – beide sind in beiden Fällen erniedrigt, Ferritin ist bei Multimorbiden unsicher. Diagnostisch wegweisend ist die zusätzliche Bestimmung von ZPP und sTfR:

ZPPsTfRHepcidin
Echte Eisenmangelanämie
ACDNormal
Praxisrelevant

ACD ist deutlich häufiger als die nutritive Eisenmangelanämie. Bester Prädiktor für Eisenmangel bei gleichzeitiger Entzündung (CRP↑): Ferritin <100 µg/l. Bei Herzinsuffizienz/chronischer Nierenerkrankung gelten höhere Grenzwerte (Ferritin <200–300 µg/l, kombiniert mit TSAT <20–30 %).

Bei Tumorpatient:innen: pragmatisches Vorgehen

Ferritin ist bei Neoplasien meist unbrauchbar (bis zu 25 % der Pat. mit nachgewiesener EMA haben Ferritin 100–800 µg/l). Praxisnah wird primär die Transferrinsättigung genutzt: TfS <20 % → eisendefizitäre Erythropoese, unabhängig von der Ursache. TfS <20 % + Ferritin <30 µg/l → absoluter Mangel (orale oder i.v. Substitution); TfS <20 % + Ferritin 100–800 µg/l → funktionelle Komponente wahrscheinlich (i.v. Eisen + ggf. ESA); Ferritin >800 µg/l oder TfS >50 % → keine Substitution.

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Therapie & Monitoring der Eisensubstitution

Eisenbedarf berechnen

Formel nach Ganzoni: Eisendefizit [mg] = Körpergewicht [kg] × (Ziel-Hb − Ist-Hb) [g/dl] × 2,4 + Speichereisen [mg]. Speichereisen: bei KG <35 kg 15 mg/kg, sonst pauschal 500 mg. Praxis-Faustregel: ~200 mg Eisen netto heben den Hb um 1 g/dl.

Orale Substitution (Mittel der Wahl)

Zweiwertige Eisensalze (Sulfat, Gluconat, Fumarat) bevorzugt: 50–100 mg Fe²⁺/Tag, nüchtern, einmal täglich (Hepcidin-Anstieg blockiert sonst die Resorption für 24 h). Bei GI-Unverträglichkeit: jeden 2. Tag dosieren (−30 % Nebenwirkungen) oder Präparat wechseln. Fortsetzung mindestens 3 Monate nach Hb-Normalisierung zur Speicherauffüllung.

Wahl des Applikationswegs

Parenterale Therapie wird bevorzugt, wenn hohes Hepcidin (Entzündung, ACD) die orale Aufnahme beeinträchtigt, bei Unverträglichkeit zweier oraler Präparate, Resorptionsstörung oder bei Tumorpatient:innen unter ESA-Therapie. Moderne Präparate (Eisencarboxymaltose, Eisen-Derisomaltose) erlauben die Korrektur meist in einer einzigen Sitzung.

PräparatMax. EinzeldosisMin. Applikationszeit
Fe³⁺-Gluconat62,5 mg/Tag20 min
Fe³⁺-Saccharose500 mg (>70 kg)200 mg: 30 min · 500 mg: 3,5 h
Fe³⁺-Carboxymaltose1000 mg200–500 mg: 6 min · 500–1000 mg: 15 min
Fe³⁺-Derisomaltose20 mg/kg KG≤1000 mg: 15 min · >1000 mg: 30 min
Sicherheit

Akutreaktionen sind meist keine IgE-vermittelte Allergie, sondern eine komplementvermittelte Pseudoallergie (CARPA). Nach schwerer/lebensbedrohlicher Reaktion sind alle i.v.-Eisenpräparate künftig kontraindiziert. Bei Eisencarboxymaltose: Hypophosphatämie-Risiko (~50 % der Pat., über iFGF23-Anstieg vermittelt) – bei Risikopatient:innen Phosphat kontrollieren.

Kriterien einer optimalen Therapie-Response

Beispieldaten

Postpartale Anämie (Hb <10 g/dl): 200 mg Eisensucrose an Tag 1–4 → Tag 7: Hb ø +1,5 g/dl, TfS +50 %, Ferritin ~5-fach erhöht.

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Klinischer Kontext

Vegetarische Ernährung

Phytate und Polyphenole in pflanzlicher Kost hemmen die enterale Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen. In einer Studie hatten 21 % der Vegetarier einen Speichereisenmangel, gegenüber 7 % bei zusätzlichem Fleischkonsum – besonders häufig bei Kindern und prämenopausalen Frauen.

Bezug zur Polycythaemia vera

Der unter Aderlasstherapie entstehende Eisenmangel ist bei PV eine erwünschte Begleiterscheinung und wird nicht routinemäßig substituiert. Neu in der Entwicklung: Rusfertide (PTG-300), ein subkutanes Hepcidin-Mimetikum, das Eisen im Körper umverteilt und dadurch die Aderlassbedürftigkeit bei PV reduzieren bzw. eliminieren kann – erste therapeutische Nutzung der Hepcidin-Achse in der Hämatologie.

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