Systemische Hepcidin-Regulation, diagnostische Marker und die Abgrenzung von Eisenmangelanämie, funktionellem Eisenmangel und Anämie chronischer Erkrankungen (ACD).
Eisen ist essenziell für den reversiblen Sauerstofftransport im Hämoglobin, für Myoglobin sowie für nicht-häm-gebundenes Eisen in mitochondrialen Redoxenzymen und der DNS-Synthese.
Beim Eisenstoffwechsel wird die systemische von der zellulären Regulation unterschieden. Systemische Störungen lassen sich gut laborchemisch diagnostizieren und therapeutisch kontrollieren – für den zellulären Eisenstoffwechsel fehlen bislang Routineuntersuchungen.
An Transferrin gebundenes, zirkulierendes Eisen – unmittelbar verfügbar für Erythropoese, Myoglobinsynthese und mitochondriale Enzyme.
Als Ferritin in Hepatozyten und Makrophagen des RES gespeichert. Serumferritin (1 µg/l ≈ 8–10 mg Speichereisen) ist der Indikator – außer bei Entzündung.
Die Leber misst die verfügbare Eisenkonzentration im Blut. Bei niedrigem Wert wird die Bildung von Hepcidin unterdrückt – dem zentralen Hormon der Eisenhomöostase.
Niedriges Hepcidin → mehr verfügbares Eisen und gesteigerte Erythropoese-Proliferation. Erhöhtes Hepcidin (ACD) → reduziertes Funktionseisen und gebremste Erythropoese – unabhängig vom Füllstand der Speicher.
Täglich werden durch die Erythrozyten-Mauserung 30–40 mg Eisen freigesetzt und wiederverwertet. Der enterale Verlust von 1–2 mg/Tag wird durch Absorption im Dünndarm kompensiert – abhängig vom Eisenbedarf, gesteigert bei akuter Hypoxie und in der Schwangerschaft.
Bezug zur Blutung: 1 g Hb enthält 3,46 mg Eisen; pro ml Blutverlust (Hb 15 g/dl) gehen 0,5 mg Eisen verloren. Physiologischer Bedarf: Männer ~1 mg/Tag, prämenopausale Frauen 1,3–1,5 mg/Tag, Mehrfachblutspender 4–5 mg/Tag.
Der Eisenmangel entwickelt sich stufenweise – von der reinen Speicherverarmung bis zur manifesten Anämie.
| Parameter | Was er zeigt | Limitation |
|---|---|---|
| Ferritin | Speichereisen (1 µg/l ≈ 8–10 mg) | Akute-Phase-Protein – bei Entzündung unzuverlässig; >300 µg/l schließt Eisenmangel auch bei Entzündung aus |
| TfS | Funktionseisen; Norm 16–40 % | Bei ACD nicht aussagekräftig (Transferrin = neg. Akute-Phase-Protein) |
| sTfR | Zellulärer Eisenbedarf, unabhängig von Entzündung | ↑ auch bei gesteigerter Erythropoese (ESA, Hämolyse, CLL) |
| Ferritinindex (FI) | sTfR / log₁₀ Ferritin – trennt EMA von ACD | Grenzwerte testabhängig (EMA hoch >2, ACD niedrig <1) |
| ZPP | Eisendefizitäre Erythropoese (absolut o. funktionell) | Erfasst frühes Stadium (reiner Speichermangel) nicht |
| CHr / Ret-He | Eisenverfügbarkeit der letzten 3–4 Tage; früher Therapie-Response-Marker | Norm bei reinem Speichereisenmangel; unterscheidet nicht absolut/funktionell |
| %HYPO | Eisenbedarf der letzten ~4 Wochen (3-Monats-Lebenszyklus Ery) | Messung binnen 6 h nach Abnahme nötig; nicht jeder Analyzer verfügbar |
| Hepcidin | Zentraler Regulator | Keine klare Abgrenzung der Mangelzustände – für Routine (noch) nicht empfohlen |
Thomas-Plot / diagnostischer Eisenblot: multivariables System aus sTfR, log-Ferritin, CHr und CRP zur Differenzierung von Eisenstatus in vier Quadranten (normal / subklinischer Mangel / totaler Mangel / Kombination ACD + Eisenmangel).
Der Hauptunterschied: Bei der Eisenmangelanämie liegt ein absoluter Eisenmangel vor (Serumferritin meist <50 µg/l). Bei der ACD ist genug Eisen im Körper vorhanden, steht aber durch den hepcidinbedingten Block nicht für die Erythropoese zur Verfügung – Serumferritin ist normal bis erhöht.
| Parameter | Eisenmangelanämie | ACD | Eisenmangel + ACD |
|---|---|---|---|
| Ferritin | Erniedrigt | Normal – erhöht | Erniedrigt – normal |
| TfS | Erniedrigt | Erniedrigt | Erniedrigt |
| sTfR | Erhöht | Normal | Ansteigend |
| Ferritinindex | Hoch (>2) | Niedrig (<1) | Hoch (>2) |
| ZPP | Erhöht | Erhöht | Erhöht |
ACD ist deutlich häufiger als die nutritive Eisenmangelanämie. Bester Prädiktor für Eisenmangel bei gleichzeitiger Entzündung (CRP↑): Ferritin <100 µg/l. Bei Herzinsuffizienz/chronischer Nierenerkrankung gelten höhere Grenzwerte (Ferritin <200–300 µg/l, kombiniert mit TSAT <20–30 %).
Parenterale Therapie wird bevorzugt, wenn hohes Hepcidin (Entzündung, ACD) die orale Aufnahme beeinträchtigt. Hohe parenterale Bolusgaben haben jedoch nur begrenzte Wirkung: Ein Großteil des zugeführten Eisens wird rasch hepatisch aufgenommen oder in Makrophagen sequestriert – dies steigert die Hepcidin-Antwort zusätzlich.
Postpartale Anämie (Hb <10 g/dl): 200 mg Eisensucrose an Tag 1–4 → Tag 7: Hb ø +1,5 g/dl, TfS +50 %, Ferritin ~5-fach erhöht.
Phytate und Polyphenole in pflanzlicher Kost hemmen die enterale Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen. In einer Studie hatten 21 % der Vegetarier einen Speichereisenmangel, gegenüber 7 % bei zusätzlichem Fleischkonsum – besonders häufig bei Kindern und prämenopausalen Frauen.
Der unter Aderlasstherapie entstehende Eisenmangel ist bei PV eine erwünschte Begleiterscheinung und wird nicht routinemäßig substituiert. Neu in der Entwicklung: Rusfertide (PTG-300), ein subkutanes Hepcidin-Mimetikum, das Eisen im Körper umverteilt und dadurch die Aderlassbedürftigkeit bei PV reduzieren bzw. eliminieren kann – erste therapeutische Nutzung der Hepcidin-Achse in der Hämatologie.